Historie

V o r 1 4 5 4 Es ist naheliegend, dass an der Stelle der heutigen Markgrafenmühle bereits viele Generationen vor ihrer Ersterwähnung eine Mühle betrieben wurde.

1 4 5 4 wird die Markgrafenmühle in einer Urkunde des Markgrafen Friedrich von Hohenzollern erwähnt. Dieser Markgraf von Brandenburg war Vorfahr der Preußischen Könige und des deutschen Kaisers. Die Urkunde lautet wie folgt:

Wir, Friedrich, verleihen auf Bitten unseres lantvoits zu Lusitz rat u. 1. getr. Otto von Sliwen seiner elichen hußfrauwen Elisabeth als Leibgedinge unser mole, die Marggrawen-Mole genant, ußwendig ein viertel meyl wegs von unser stat Cottbus gelegen, auf Lebenszeit“.

1 5 5 5 erlässt Markgraf Johann I. eine neue Mühlenordnung. Von nun an müssen alle Bauern aus Leuthen, Hänchen, Schorbus, Illmersdorf, Straußdorf, Oßnigk, Rehnsdorf, Klinge, Tranitz, Grötsch, Gablenz und Raakow ausschließlich die Markgrafenmühle nutzen und die Cottbuser können auch hier ihr Getreide mahlen.

1 5 5 7 Benedict Marstaller errichtet die erste Cottbuser Papiermühle in der Markgrafenmühle welche bis 1883 im Betrieb blieb. Im Laufe der Zeit wurde die Papiermühle zur „Amtspapiermühle“. Das Gebiet um die Papiermühle wird als Eichenpark bekannt und zählt heute nicht mehr zur Markgrafenmühle.

1 7 9 8 modernisiert der Müller seinen Schankbetrieb und errichtet ein neues Ausschankhäuschen. Die steigende Zahl von Sommerfrischler wussten das Angebot zu schätzen und so schenkte er in einem Jahr 230 Tonnen Bier aus. Das entspricht heutigen 26335 Liter bzw. 527 heutigen Fässern (1 preußische Tonne = 100 preußische Stof = 114,5 heutige Liter).

Postkarte des damaligen Biergartens mit dem Ausschankhäuschen statt der heutigen Villa

1 8 1 8 gab es 13 Seelen und 3 Feuerstellen in der Markgrafenmühle

1 8 4 0 Die Markgrafenmühle wird nur noch von 10 Seelen in 2 Wohngebäuden bevölkert.

1 8 5 1 Die Tuchfabrik in der Markgrafenmühle 2 wird von Wilhelm Liersch errichtet.

1 8 6 4 Die Markgrafenmühle wird von 30 Seelen in 4 Wohngebäuden bewohnt.

1 8 7 1 wird die Markgrafenmühle in das Stadtgebiet der Gemeinde Cottbus eingegliedert. Es besteht auf der kleinen Markgrafenmühleninsel eine Mahl- und eine Ölmühle von Müller Vogel und der Bier- & Kaffeegarten. Auf der großen Markgrafenmühleninsel ist die Tuchfabrik, unter Georg Adolf Liersch, zu einer der bedeutendsten Tuch- und Buckskin-Fabriken herangewachsen.

Rechnung der Buckskin-Fabrik der Gebrüder Liersch mit Abbildung der Fabrikanlage in der Markgrafenmühle 2

1 8 8 3 vererbte Georg Adolf Liersch die Buckskin-Fabrik seinen Söhnen Hermann Theodor und Franz Oskar. Sie nannten ihre Firma, wie oben zu sehen, Gebrüder Liersch.

1 8 9 1 Die Mahlmühle wird in einem verheerendem Brand vernichtet.

1 8 9 2 Der Müller Robert Vogel eröffnet die neu gebaute Mahlmühle mit neuester Technik erneut.

Rechnungskopf einer Rechnung von 1895 mit der neu errichteten Markgrafenmühle, der Buckskinfabrik im Hintergrund und dem Bier- & Kaffeegarten im Vordergrund

1 8 9 4 wird der Bau einer Tanz- und Musikhalle auf dem Gastronomiegelände zur Genehmigung eingereicht.

Auf dieser Postkarte erkennt man die Tanz- und Musikhalle (Flachbau) mit ihrer großen Fensterfront.

1894 wird auch das Ausschankhäuschen durch die heutige Villa ersetzt. Im Erdgeschoss war Küche und Lager, im 1.OG waren 2 riesige Restaurantsäle mit offener Veranda zum Biergarten. Im 2. OG war die Wohnung der Wirtsfamilie. Die Restaurant ist natürlich weiterhin eines der beliebtesten Ausflugslokale in Cottbus. Das Bürgertum genoss die Natur und die Erholung mit gutem Bier und gutem Essen.

Die neue Restaurant-Villa von vorn – gebaut durch die Firma Herrmann Pabel & Co

1 9 1 4 Am hinteren Ende der großen Markgrafenmühleninsel stiftet der Tuchfabrikant Rottka die Jubiläumsbrücke zum 25-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. Die Verbindungsbrücke zwischen der Markgrafenmühle und dem „Volkspark Madlower Schluchten“ wurde durch den Oberbürgermeister Paul Werner eingeweiht.

1 9 1 8 Im ersten Weltkrieg herrscht ein umsatzschädliches Tanz- und Vergnügungsverbot, was einen drastischen Umsatzrückgang zur Folge hatte.

1 9 2 2 Der Ruderclub Cottbus wird gegründet. Das Bootshaus des Clubs mit Platz für über 30 Boote wurde gegenüber der Markgrafenmühle 2 errichtet. Das Gebäude existiert heute nicht mehr. Der Müller Robert Vogel lässt sich eine 50-KW-Turbinenanlage zur Erzeugung von elektrischem Strom genehmigen. Damit soll die Bautzener Straße versorgt werden.

Blick vom Bier- & Kaffeegarten auf das Bootshaus des Ruderclubs in der Markgrafenmühle

1 9 2 6 Die Mühle wird, inklusive Restaurant, von der Stadt Cottbus übernommen. Der Müller Vogel wandert (nach Australien oder Amerika??) aus. Die Mahlmühle wird geschlossen. Das Restaurant läuft weiter.

1 9 3 3 Im dritten Reich dient das Gelände dem Reichsarbeitsdienst, zu dem jeder junge Mann vor dem Wehrdienst, für 6 Monate, eingezogen wurde. Zu Kriegsende wird die strategisch gute Position zum Verhängnis der Markgrafenmühle. Die Gegend um die Markgrafenmühle ist stark umkämpft. Einige Gebäude der Tuch- und Buckskinfabrik wurden dabei getroffen und später abgerissen. Im Laufe des Krieges nutzt die deutsche und danach die russische Armee die Markgrafenmühle als Stützpunkt. Die Restaurant-Villa war das Offizierskasino. Die Villa Vogel war die Offiziersunterkunft und übrigen Grundstücke wurden für die Soldaten- und die Pferdeunterbringung genutzt.

1 9 6 0 Nach dem Krieg ist das Restaurant kurzfristig wieder geöffnet. Doch danach nutzt „Wasserwirtschaftsdirektion Obere Elbe Neiße Abt. Gewässerinspektion“ das Restaurant-Grundstück und ersetzt ca. 1960 die Tanz- und Musikhalle durch ein Büro- und Laborgebäude. Im Turbinenhaus der Markgrafenmühle 1 wird weiterhin Strom für die Bautzener Straße erzeugt. Die HO (Handelsorganisation der DDR) nutzt die alte Mahlmühle als Lager und Werkstatt. Die ehemalige Tuch- und Buckskinfabrik der Familie Liersch in der Markgrafenmühle 2 wird bereits damals zu Wohnungen umgenutzt.

1 9 6 5 Die Turbine wird außer Betrieb genommen, denn nun gibt es genug Strom aus den Kohlekraftwerken. Die ehemalige Mühle wird als Lager eines Maschinenbauhandels genutzt.

1 9 9 9 Nach der politischen Wende übernimmt das Landeslabor Brandenburg das Gelände der Wasserwirtschaft (ehemaliger Biergarten) nahtlos und nutzt es zu den selben Zwecken. Da das historische Restaurantgrundstück weiterhin nicht als Restaurant nutzbar ist, wird in einer Baracke der Markgrafenmühle 1 ein Restaurant unter dem Namen „Markgrafenmühle“ eröffnet. Das Restaurant wird sehr gut angenommen. Die Mahlmühle steht leer. Die Wohnungen in der Buckskinfabrik sind

2007 Das Restaurant in der Markgrafenmühle 1 schließt seine Pforten.

2 0 0 8 Das Landeslabor Brandenburg verlässt das Objekt des ehemaligen Restaurants und beschließt später es zu veräußern. Die Markgrafenmühle wird von ca. 20 Seelen in 3 Gebäuden bewohnt.

2 0 1 3 Die ehemalige Buckskin-Fabrik in der Markgrafenmühle 2 wird von der Treuwert-Projektgesellschaft mbH vollkommen umbegaut. Dort entstehen 7 exklusive Eigentumswohnungen. Die Markgrafenmühle wird nun von ca. 25 Seelen in 3 Gebäuden bewohnt. Das Gelände des Landeslabors Brandenburg wird mit viel Glück durch unsere Familie erworben. Ein Coworking-Space wird in den Laborräumen betrieben.

2 0 1 4 eröffnet unsere Familie an historischer Stelle wieder ein Biergarten. Leider ist er nur am Wochenende geöffnet, aber die Resonanz ist überwältigend. Daher stellen wir einen Umnutzungsantrag zur Errichtung einer Pension mit Restaurant und Biergarten.

2 0 1 5 In der Markgrafenmühle 1 wird die ehemalige Mühle und die, als „Villa Vogel“ bekannte Residenz des Müllers umgenutzt. Der Cottbuser Unternehmer Robert Strecker errichtet so insgesamt 20 wunderschöne Wohnungen. Die Markgrafenmühle wird nun von ca. 80 Seelen in 4 Gebäuden bewohnt.

Blick auf die renovierte Backsteinfassade der Mahlmühle und die ehemalige Tuchfabrik

2 0 1 6 Dem Bauantrag für die Errichtung einer Pension mit Restaurant und Biergarten auf dem althergebrachten Gastronomie-Grundstück wurde stattgegeben. Die eigentliche Bestimung als Restaurant mit Bier- & Kaffeegarten soll wieder aufgenommen werden.

2 0 1 8 Robert Strecker verkauft die ehemalige Mahlmühle an einen anderen Unternehmer und wandert nach Paraguay aus.

2 0 1 9 Das Gelände des histoirischen Bier und Kaffeegartens wird in die Markgrafenmühle Pension & Restaurant eG eingebracht. Weiteres zur Genossenschaft im Hauptmenü unter Investor Relations.

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